35.000,-

Eigentlich, ja eigentlich hätte dies hier eine Polemik werden sollen, betreffend den Umstand, dass beim “Wortmeldungen”-Literaturpreis der Crespo Foundation, der demnächst verliehen wird, ausgerechnet die Lyrik (nebst Dramatik und “ausschließlich journalistische[n]” Texten) ausgeschlossen bleibt. Da wird zur Abwechslung mal so ein mit 35.000,- Euro doch eher hoch dotierter Preis für ausdrücklich welthaltige Literatur ausgeschrieben – bzw. was man sonst mit der Formulierung auf der Homepage meint, es gehe um Texte, die sich literarisch mit “gesellschaftspolitische[n] Themen” auseinandersetzen –, und dann dürfen just diejenigen Autor_innen nicht mitspielen, die das welthaltigste Zeug überhaupt schreiben: Gedichte!

Wir wissen natürlich, woran das liegt. Lyrik als prädestinierte Gattung des subjektiven Erlebens sei, so predigen bekanntermaßen auch viele ihrer bekanntesten Proponenten, auch nur höchst subjektiv zu rezipieren – Urteile schafften Verurteilte; was man da habe, wenn man anderes behaupte, sei unangemessene Strenge, die das Wesentliche ihres Gegenstands verfehle. Gedichte als “Wortmeldungen” im Sinne jener Ausschreibung einem Vergleich mit Essays und Erzählungen zu unterwerfen, erscheint dann nach beiden Richtungen unfair: Kein Essay würde der Wucht und Würde subjektiven Empfindungsausdrucks standhalten können; kein Gedicht würde hinwiederum intersubjektive Wahrheitsansprüche, Richtigkeitsansprüche stellen dürfen … Das ist natürlich alles zusammen unrichtig und blendet weite Teile der Gattungsgeschichte aus. Aber die Wahrheit ist, wie uns die Freunde der Postmoderne (in freilich viel weniger bräsigen Sprichwörtern als diesem hier) versichern, eine Tochter der Zeit – und mit den kürzlich privat geäußerten Worten eines nicht ganz machtlosen Zeitungsredakteurs und zugleich nicht ganz unbedeutenden Lyrikers eigenen Rechts gesprochen: “Im Betrieb kommen immer weniger Leute vor, die sinnvoll von Lyrik handeln und reden können.”

… was, wie der Augenschein uns nahelegt, auch ihre Verfasser_innen selber mit einbezieht. Nicht müssen wir bezweifeln, dass … [weiterlesen auf fixpoetry]