symposion Text-World–World-Text II

10. 06. 2017 | 10:00 | forum stadtpark, graz | On the relationship between experiment, politics and literature | Tom Bresemann | Eduard Escoffets | Gundi Feyrer | Max Höfler | Margret Kreidl | Barbi Markovic | Fiston Mwanza Mujila | Jörg Piringer | Ásta Fanney Sigurðardóttir | Clemens Schittko | Ulrich Schlotmann | Stefan Schmitzer | Christoph Szalay | trauma wien | Érica Zíngano | –> Fotos I <– | –> Fotos II <–

Fronk Reisch! Fronk Reisch!

Meine Damen und Herren Vernunftskeptiker; liebe zigtausende Politstrateg_innen daheim an den Empfangsgeräten; sehr geehrte nützliche Idioten!

In Fronkreisch ist also in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl mit Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron ein erzliberaler Volldepp jener Gegenkandidat, den wählen wird müssen, wer nicht behilflich sein will, die offene Faschistin Marine LePen zu ermöglichen. Nun ist es schlechterdings unmöglich, sich diesen Wahlgang (Match “*eppen gegen *öcher”, das er ist) irgend als epischen Showdown “Gut gegen Böse” zu verkaufen. Das wiederum stösst, wie wir in den letzten zwedrei Tagen beobachten durften, zahlreichen Insass_innen des bekannten links|:radikal:|liberalen Thinktanks “Facebook” sauer auf. Es scheint, genauer, eine gewisse narzisstische Kränkung zu verursachen, dass man keine klar erkennbar *richtige* Seite in der Auseinandersetzung der kommenden Tage geboten bekommt, mit der man sich tapfer identifizieren und aktivistische Memes posten kann. Anscheinend befeuert von dieser Kränkung ist derzeit viel des Gegackers darüber, dass Monsieur Macron ein Freund des allerverderblichsten Großkapitals sei, ein Arbeiterschinder und TTIP-Chlorhuhn-Arsch, persönlich an der Verelendung der Unterschichten aller Länder beteiligt und vermutlich auch Konsument von einem halben Liter eisgekühlter Waisenkindertränen täglich.

Es treffen diese Schilderungen natürlich ca. den Kern der Sache (also: “die Quintessenz”, nicht: “den Bundeskanzler”). Der Mann steht für die fortdauernde “Normalität” im Sinne des Großbürgertums, womit gesagt ist, für den fortdauernden Ausnahmezustand für alle anderen Bevölkerungruppen; dafür, dass sich “immer alles ändern muss, damit immer alles gleichbleiben kann”. Trotzdem werden wir hoffen müssen, dass die offensichtlichen, plumpen Agitationsversuche nicht verfangen, welche linken französischen Wähler_innen (und den ihnen deutschsprachig hinterherhechelnden Tagesfreizeitbesitzern) einreden wollen, es sei nun richtig, im zweiten Wahlgang *gar nicht* wählen zu gehen, denn: … [weiterlesen auf KiG!]

donnerstags die belegstellen

WEIL wir vor paar tagen so ein gespräch hatten da es drum ging was zu befürchten stünde so globalpolitisch; und mein gegenüber [wer war das nochmal bitte melden!] mir nicht glauben wollte dass in ami-land noch mancher bunker mit atomrakete rumstünde bei dem das leitsystem mit floppydisks betrieben wird;

mit – alter gibt dir! – floppydisks!;

und ich das weiss ich noch versprach belege nachzuschieben: hier bitte:

erstenszweitens. drittens.

 

grün!donnerstags müssen wir dem umstand verwinden, dass der nachrichtensprecher brian williams beim anblick von tomahawk-missiles im nachthimmel jüngst wuschig wurde und aus diesem anlass ein zitat aus “first we take manhattan” kaputtgemacht hat

der unruhige geist von leonard cohen wird brian williams im traume erscheinen.

da wird er dann rauchen und schauen und schauen und rauchen.

und wird da so milde schauen und scharf wird der rauch durch die ritzen der welt und so weiter

und sagen wird er dann nichts der herr cohen

und es wird sich herr williams schämen und schämen

und irgendein blödes arschloch wird späterhin in fussnoten den namen ‘cohen’ und die solchen oder solchen opferfeuer in bezug zueinander et zett

der traum brian williams’, des nachrichtensprechers, hat ritzen

durch diese ritzen dringt qualm von zigarren und kultfeuern raus in die welt

herr cohen wird nichts dazu sagen herr williams wird scham empfinden

und auf den flugzeugträgern die im mittelmeer herumschwimmen wird dieser oder jener techniker ganz sicher dieses oder jenes gute buch mit sich führen zum beispiel was weiss ich so ein field manual zum richtigen schießgewehrputzen oder auch die ilias

hör auf zu quengeln musé alte keilerkolonnenbespassungsinstanz

herr williams auf msnbc muss scham zu empfinden bekommen  in engen und ritzigen träumen

athene glaukopis höchstselbst wird milde ihn anschauen

im lockeren anzug herrn cohens wird sie sitzen

im lockeren anzug herrn cohens

hör auf zu quengeln musé und sieh diese scheisse dir an:

Autorität und Kleinganoventum. Eine Übersicht.

Das Folgende erschien mir alles bisher selbstverständlich, nicht der Rede wert; erschien mir als *Ausgangspunkt* möglicher Gespräche über die Welt, in der wir leben, und nicht als deren potentieller *Gegenstand*. Ich wurde kürzlich drauf hingewiesen, dass dem nicht so sei, und dass ich’s mal aufschreiben solle. Ok. Hier bitte. Die einzelnen Punkte sind übrigens alle von K. Theweleit, H. Arendt, S. Freud, nur die holprige Hauruck-Zusammenfassung ist von mir. Es geht um zwei Fragen. Erstens: Warum es immer dieses gleiche Gesupp aus Privatkonkurs und Hochstapelei ist; gerade diese und keine andere Mischpoche; warum stets dieser Bodensatz … [weiterlesen auf KiG!]

Timo Brandt interviewt mich

Dein letzter Gedichtband heißt „denunziationen. haltlose gedichte“ (2015 bei hochroth erschienen). Inwieweit ist Schreiben für dich ein Denunzieren oder Geschriebenes eine Denunziation? Und ist Haltlosigkeit eine Zwangsläufigkeit, wenn man heutzutage Gedichte schreibt?

Zur einen Frage: Nicht im Allgemeinen, vielleicht mal im Speziellen.  Zur anderen: Nein, wieso? Im Ernst: “Denunziationen” heißt das Buch, weil die Texte darin vom Gestus des habituellen Schimpfens in alle Richtungen leben, und davon, dass … [weiterlesen auf Fixpoetry]