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Im Februar ist im Kölner Verlag parasitenpresse ein Bändchen erschienen, das ein (laut Eigenbezeichnung) Lehrgedicht der umtriebigen Theaterautorin Lydia Haider nebst dazugehöriger Handreichung in Form eines Essays von der Literaturwissenschaftlerin Judith Goetz enthält.
Der vollständige Titel des Gedichts lautet Näher zu thee, hehr Beidltum (Österreich) / Closer to thou als Gott. Mein Geheul im 3/4-Takt., und es beginnt an beiden Enden des Buches, das somit keine Vorder- oder Rückseite hat, sondern nur zwei unterschiedlich gestaltete, zueinander verkehrte Vorderseiten (der erwähnte Essay befindet sich dann in der Buchmitte). Egal also, dürfen wir denken, wie wir das Buch (bzw. das Land) drehen und wenden – wir finden uns stets wieder am Anfang des verheißenen Beidltums, mit diesem Vorsatz:
Jaaaa! Jawohl!
[ein Stöhn/Schrei vgl. Laibach: Geburt einer Nation]
Das Beidltum nimmt Überhand
in Österland.
Der Rechte Gott macht Überhand
durch Österland.
Dem Schwachsinn reißts die Überhand
auf Österland.
So lass mich noch viel näher hin zu thee.
So lass mich doch viel closer auf to thou.
Mich ruft es hin und drängt es ganz als Sau.
Mich rufts ins Reich rein gleich dir fettem Vieh.
Jaaaa! Jawohl!
[ein Stöhn/Schrei vgl. Laibach: Geburt einer Nation]
Das Beidltum nimmt Überhand in Österland. Der Rechte Gott macht Überhand durch Österland. Dem Schwachsinn reißts die Überhand auf Österland. So lass mich noch viel näher hin zu thee. So lass mich doch viel closer auf to thou. Mich ruft es hin und drängt es ganz als Sau. Mich rufts ins Reich rein gleich dir fettem Vieh. Jaaaa! Jawohl!
Das darauf folgende Gedicht – geschrieben, wie uns Goetz’ Essay beauskunftet, zu einem Zeitpunkt, da noch nicht klar war, ob nach dem Ende der Regierung Karl Nehammer nicht vielleicht doch die Machtergreifung des Möchtegern-Volkskanzlers Herbert Kickl bevorsteht –, es bietet, was der Titel verheißt: eine um salonfähige Sprache und sauber gearbeitete Details gänzlich unbekümmerte (mit Sigi Maron gesprochen, eine „in der Sprache der Beherrschten, nicht der Herrschenden“abgefasste), harsche, klarsichtige und überaus lustige Revue der österreichischen Spielart jener patriarchalischen, gewaltförmigen Strukturen sowie Lebens- und Denkweisen, die bekanntermaßen das Nährsubstrat des Faschismus ausbilden.
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