Ein „daß“ mit scharfem ß

Um die österreichische Lyrik zweifach verdient gemacht hat sich Daniel Wisser mit dieser Herausgeberschaft eines Auswahlbandes mit Gedichten von Andreas Okopenko. Dies erstens, weil es zehn Jahre nach dem Tod des Dichters seine einzelnen Gedichtbände der Fünfziger-Sechziger-Siebziger bloß noch in den Bibliotheken zu finden gibt – und Leuten, die diese dort gezielt zu suchen wissen, nicht zwingend auffällt, dass sie inzwischen vergriffen sind, während das jüngere Publikum nicht weiß, dass es was verpasst.

Wohl ist die Gesammelte Lyrik weiterhin lieferbar, von Okopenko selbst 1980 für Jugend&Volk zusammengestellt und heute im Vertrieb des Droschlverlags, aber die ist an der Entstehungszeit einzelner Gedichte orientiert. Der Dichter selbst sortiert seine Arbeiten dort in drei „Entwicklungsperioden“, ignoriert jedoch den ursprünglichen Publikationskontext der einzelnen Einträge – vom vormals Unveröffentlichten über den Gelegenheitstext zum zentralen Gedicht seines Originalbandes steht alles Mögliche nebeneinander, unausgewiesen auch im Inhaltsverzeichnis. Insofern ist jene „Gesammelte Lyrik“ als blankes Leseexemplar fein, sogar deutlich umfangreicher als Wissers neuer Band.

Doch um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wer da, und in welchen Kontexten, geschrieben hat, ist die „Gesammelte Lyrik“ ungeeignet. Sie war ein historisches Lebenszeichen unter anderen Lebenszeichen Okopenkos und – zum Glück! – keine Selbsthistorisierung. Wenn also …

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