quanten, dschihad, sloterdijk

CC BY-SA 3.0 LobStoRFrank Milautzcki hat einen langen Text über den Begriff “Raum” geschrieben, der unschuldig-phänomenologisch anfängt: Spiegelerlebnis, frühe Kindheit, mittelbar Unmittelbares. Ausser diesem Anfang umfasst er noch, je nach Leseweise, drei oder vier Abschnitte. Die sind lang, aber das ist in Ordnung, denn es muß vieles in ihnen Platz finden: Philologisches zum Raumbegriff bei Nietzsche; Vorüberlegungen zu einer neuen, (zumindest für Milautzcki) verbesserten Aufgabenverteilung zwischen Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, Kunst; ein Versuch der Ehrenrettung Sloterdijks; AfD-Knallchargen; Flüchtlings- und andere Krisen; am Ende: eine Monadologie, die ohne das Wort “Monade” auskommt und sich statt dessen mit der “Blase” behilft, in der wir alle/s/ steck/t/en. Der Text ist hier ohnehin verlinkt, weshalb es keinen Grund gibt, ihn noch weiter zu paraphrasieren. Er ist lesenwert genug. Gegen ihn spricht allerdings zweierlei: … [weiterlesen auf FixPoetry]

scheiß sozialer frieden

schmitzer, scheiss sozialer frieden
scheiß sozialer frieden. gedichte | gebunden | 96 seiten | isbn: 9783854207887 | droschl 2011

scheiß sozialer frieden. (…) / scheiß wellblechlandschaften. scheiß planspiele, scheiß autonome zonen. / scheiß tanz, und selbst scheiß schattenkühles flüstern dann. / scheiß angst vor der eigenen wut, scheiß wut auf die eigene angst. scheiß liebe zu beidem. scheiß wissen, worauf es bezogen sein könnte. / scheiße was wir geworden sind. scheiß kifferei und scheiß bier und scheiß schwangerschaften, scheiß stammtische-strammtische, selbst noch scheiß waldspaziergang. / scheiß moment, wenn die systemischen faktoren greifen, also scheiß träume mit urgroß- und mit vätern. scheiß alter, scheiß reifung, scheiß anschein des organischen hervortretens. / scheiß kunst.

Continue reading “scheiß sozialer frieden”

gemacht gedicht gefunden. über lyrik streiten helwig brunner und stefan schmitzer

brunner, schmitzer - gemacht gedicht gefunden
gemacht gedicht gefunden. über lyrik streiten helwig brunner und stefan schmitzer | gebunden, 192 Seiten | ISBN: 9783854207870 | Droschl 2011

… lyrik heute im deutschsprachigen raum ist – mit ausnahme von song-lyrics, die zu ihrem glück nicht als zum feld gehörig behandelt werden – eine exklusiv-veranstaltung von leuten, die genug tagesfreizeit haben und sich etwas davon versprechen, die syntagmatischen feldchen von, meist kurzen, texten abzuschreiten und dann darüber zu reden. was sie sich davon versprechen, wird höflicherweise keiner den anderen fragen. genau gegen diese mangelnde kenntnis der eigenen bedingungen, oder diese unwilligkeit, sie einzubekennen, kann die frage nach der funktion des jeweiligen texts fruchtbar sein – als frage nach der funktion seiner rezeption. welches rudel-ich pflegen wir da? wird, wie wir ans gebilde herangehen, allen den texten gerecht, die wir uns in solcher weise unterwerfen? gibt es andererseits nicht auch texte, die uns nicht gerecht werden, die schlicht zu blöd oder zu eitel sind (was wir aber nicht zugeben, weil wir nicht drüber reden, was wir uns im feld der lyrik eigentlich erwarten)? nochmal anders, als frage strikt an die autoren gefasst: für wen schreiben wir eigentlich? also: für wen schreiben wir faktisch, und für wen wollen wir schreiben? …

Continue reading “gemacht gedicht gefunden. über lyrik streiten helwig brunner und stefan schmitzer”

zwei primitive balladen

sukultur_schmitzer_balladen
zwei primitive balladen. schöner lesen 98 | SuKuLTuR juli 2010 ISBN: 978-3-941592-17-9

[…]
der trendscout geht langsam durch den durchlass

er geht und pflegt die taktile empfindung das
abdeckvliess die mauer der baucontainer zur rechten
geht langsam fördert
unbürokratisch und unaufdringlich
was – und nichtmal pose – eben abgeht
[
…]

Continue reading “zwei primitive balladen”

text performanz text (cooperate and/or defect)

schmitzer (hg) text performanz text.
schmitzer (hg) et al.: text performanz text. (cooperate and/or defect) | taschenbuch, 91 seiten | isbn 3-901109-24-2 | forum stadtpark verlag 2010

[…] wie man ernsthaft die vorliegende anthologie “das geile buch mit dem erweiterten theaterbegriff” nennen wollte. (…) ins leere ging die anfangsforderung, man habe da ein konglomerat aus metareflexion der produktions-bedingungen, pop-slang, abbildtheorie und romantischer vernunftskepsis, das habe doch nun gefälligst auf eine den akteurInnen gemeinsame analyse ihres gegenstands zu weisen. […]


“Endlich gibt es nun eine Veröffentlichung zur zeitgenössischen, tatsächlich gerade stattfindenden literarischen Performance, eine Darstellung also jenes Wildwuchses von Aktionen, die wir dem Verlangen mancher Künstler zu verdanken haben, Texte nicht nur dem Alphabet in Druckform zu übergeben, sondern darin auch, um es mal salopp zu schreiben, die Modi der Ekstase aufzuspüren: (…)” robert prosser, schreibkraft #21, 2011

wohin die verschwunden ist, um die es ohnehin nicht geht

droschl_schmitzer_wohin-die-verschwunden-ist
wohin die verschwunden ist, um die es ohnehin nicht geht. roman | gebunden, 152 seiten. isbn: 9783854207542 | droschl 2009

[…] träumt in der nacht, was zu tun ist, so ungefähr. das setzt sie am morgen um. geht vormittags und kauft sich einen schweren schwarzen mantel, der die statur verbirgt, und eine skimaske und einen basbeallschläger. besucht nachmittags eine vorlesung, und prügelt abends die scheisse aus dem lehrbeauftragten für wirtschaftsmathematik. […]

Continue reading “wohin die verschwunden ist, um die es ohnehin nicht geht”

vier schuss

schmitzer, vier schuss. erzählung
vier schuss. erzählung | 96 seiten, isbn 978-3701175901 | leykam 2007 | vergriffen

… ein gefangenenlager. tagsüber arbeiten sie auf feldern, und abends hören sie bob dylan, highway sixtyone revisited. keiner weiß, wie der recorder mit dem tonband hierhergekommen ist. er war schon immer da. tabak haben sie, und wasser, und manchmal tee, pökelfleisch, feldfrüchte und offenes feuer im mittelgang der langgestreckten baracke…

Continue reading “vier schuss”